Auswandern nach Kanada: Express Entry und der Weg dorthin
Robin Engelhart • 23.10.2026
Inhaltsverzeichnis
Kanada ist unter den klassischen Einwanderungsländern das durchlässigste, weil die Auswahl transparent und mehrmals pro Jahr stattfindet. Der Hauptweg heißt Express Entry: Du legst ein Profil an, bekommst eine CRS-Punktzahl, und bei regelmäßigen Ziehungen werden die besten Profile eingeladen. Eine Nominierung durch eine Provinz bringt allein 600 Punkte und macht die Einladung praktisch sicher.
Dieser Guide ist für dich, wenn du als Österreicher über Kanada nachdenkst und verstehen willst, wie die Auswahl funktioniert und welche Punktzahl realistisch gebraucht wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Express Entry ist ein Auswahlsystem, kein eigenes Visum. Du legst ein Profil an und wartest auf eine Einladung.
- Ziehungen finden üblicherweise alle zwei Wochen statt, abwechselnd allgemein und nach Kategorien.
- Bei der Ziehung für Handwerksberufe am 1. Oktober 2026 lag die Schwelle bei 476 Punkten, bei 3.500 Einladungen.
- Französischkenntnisse sind der stärkste Hebel: In französischsprachigen Ziehungen lagen die Schwellen zuletzt zwischen 379 und 446 Punkten.
- Eine Provinznominierung addiert 600 Punkte. Die Schwellen in reinen PNP-Ziehungen liegen deshalb bei 697 bis 805 Punkten.
- Bundesgebühren: 1.590 CAD für den Hauptantragsteller inklusive Right of Permanent Residence Fee, 270 CAD je Kind.
- Provinzen verlangen eigene Gebühren, British Columbia 1.750 CAD, Ontario 1.500 CAD.
Wie Express Entry funktioniert
Immigration, Refugees and Citizenship Canada zieht in der Regel alle zwei Wochen. Es gibt zwei Arten von Ziehungen: allgemeine, bei denen nur die Punktzahl zählt, und kategoriebasierte, bei denen zusätzlich der Beruf oder die Sprache ausschlaggebend ist. Kategorien sind derzeit unter anderem Gesundheitsberufe, Handwerk, naturwissenschaftlich-technische Berufe und Französisch.
Diese Kategorien sind für Österreicher die wichtigste Nachricht. Wer in einem gefragten Beruf arbeitet, braucht eine deutlich niedrigere Punktzahl als in der allgemeinen Ziehung. Ein Beispiel: Am 1. Oktober 2026 wurden in einer Ziehung für Handwerksberufe 3.500 Einladungen bei einer Schwelle von 476 Punkten vergeben.
Der französische Hebel
Der wirksamste Einzelfaktor für Mitteleuropäer ist Französisch. Kanada steuert gezielt gegen den Rückgang der französischsprachigen Bevölkerung außerhalb Québecs und führt eigene Ziehungen durch. Die Schwellen lagen dort zuletzt zwischen 379 und 446 Punkten, also oft mehr als hundert Punkte unter den allgemeinen Ziehungen.
Wer in der Schule Französisch hatte und es auf ein Testniveau bringt, verschafft sich damit einen Vorsprung, der durch kein anderes Kriterium zu holen ist. Der Aufwand dafür sind Monate an Sprachkurs und eine TEF- oder TCF-Prüfung.
Québec hat übrigens ein eigenes Einwanderungssystem und läuft nicht über Express Entry. Wer gezielt nach Montreal oder Québec City will, bewegt sich in einem anderen Verfahren.
Provincial Nominee: der zweite Weg
Jede Provinz darf Kandidaten nominieren, die zu ihrem Arbeitsmarkt passen. Eine Nominierung bringt 600 CRS-Punkte und damit faktisch die Einladungsgarantie. Genau deshalb liegen die Schwellen in reinen PNP-Ziehungen so hoch: Bei der Ziehung am 28. September 2026 waren es 725 Punkte bei 733 Einladungen, der niedrigste Wert bisher lag bei 697, der höchste bei 805.
Diese Zahlen sehen abschreckend aus, sind es aber nicht, weil 600 davon aus der Nominierung kommen. Wer nominiert wird, braucht aus eigener Kraft also nur rund 100 bis 200 Punkte.
Der Weg führt über die Provinz, nicht über den Bund: Du bewirbst dich bei einer Provinz, die Fachkräfte in deinem Bereich sucht. Dafür fallen eigene Gebühren an, in British Columbia 1.750 CAD, in Ontario 1.500 CAD.
CRS-Einordnung
Trag deine ungefähre Punktzahl ein, dann siehst du, welche Art von Ziehung realistisch in Reichweite liegt.
Schwellen aus Ziehungen des Jahres 2026. Sie schwanken je nach Runde und Poolzusammensetzung.
Die Werte sind Anhaltspunkte aus vergangenen Ziehungen. Sie schwanken mit der Zahl der Einladungen und der Zusammensetzung des Pools. Die Schwelle für Gesundheitsberufe ist hier als Mittelwert gesetzt, weil sie zwischen den Runden stärker variiert.
Was der Antrag kostet
Die Bundesgebühren liegen seit 30. April 2026 bei 1.590 CAD für den Hauptantragsteller inklusive der Right of Permanent Residence Fee, oder 990 CAD ohne diese Gebühr. Für den mitreisenden Partner fallen ebenfalls 1.590 CAD an, für jedes mitreisende Kind 270 CAD.
Dazu kommen Kosten, die in keiner offiziellen Gebührentabelle stehen: Sprachtest, Bewertung der ausländischen Ausbildung durch eine anerkannte Stelle, Führungszeugnisse, medizinische Untersuchung und je nach Provinz die Nominierungsgebühr. Realistisch landet eine Einzelperson bei 3.000 bis 5.000 Euro, bevor der erste Karton gepackt ist.
Außerdem verlangt Kanada einen Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel, sofern du kein gültiges Jobangebot hast. Die Beträge werden jährlich angepasst und steigen mit der Familiengröße.
Hausrat nach Kanada bringen
Kanada ist ein Drittstaat, dein Hausrat wird zu Übersiedlungsgut. Gebrauchte persönliche Gegenstände kommen in der Regel abgabenfrei herein, wenn du sie vor dem Umzug besessen und genutzt hast. Verlangt wird eine Inventarliste in zwei Teilen: Waren, die dich begleiten, und Waren, die nachkommen. Diese Liste musst du schon bei der Einreise vorlegen, auch wenn der Container erst Wochen später eintrifft.
Genau an dieser Stelle gehen die meisten Übersiedlungen schief. Wer bei der Einreise keine Liste für die nachfolgende Sendung abgibt, zahlt für den Container später Einfuhrabgaben. Die Liste gehört deshalb vor dem Abflug fertig, auf Englisch oder Französisch, mit Wertangaben.
Die Seefracht ab Europa dauert je nach Zielhafen vier bis acht Wochen. Nach Vancouver dauert es deutlich länger als nach Montreal oder Halifax. Alkohol und Tabak unterliegen Mengengrenzen, Lebensmittel und Pflanzen sind weitgehend ausgeschlossen.
Was in Österreich zu erledigen bleibt
Hauptwohnsitz abmelden innerhalb von drei Tagen vor bis drei Tage nach dem Umzug, dabei gleich die Eintragung in die Auslandswählerevidenz beantragen. Mietvertrag kündigen, Fristen im Beitrag Mietvertrag kündigen. Kranken- und Pensionsversicherung mit dem jeweiligen Träger klären, die Überweisung einer österreichischen Pension ins Ausland ist grundsätzlich möglich.
Steuerlich ist Kanada ein Drittstaat. Beschränkt der Wegzug das österreichische Besteuerungsrecht an Kapitalvermögen, gilt er als Veräußerung: Die stillen Reserven in Aktien, Fondsanteilen, Gesellschaftsanteilen oder Krypto sind sofort mit 27,5 Prozent zu versteuern, eine Ratenzahlung ist auf Antrag möglich. Bei einem größeren Depot ist das der teuerste Posten des ganzen Umzugs.
Häufige Fragen zum Auswandern nach Kanada
Wie viele CRS-Punkte braucht man für Kanada?
Das hängt von der Art der Ziehung ab. In allgemeinen Ziehungen liegt die Schwelle meist über 500 Punkten, in kategoriebasierten deutlich darunter: 476 Punkte bei Handwerksberufen im Oktober 2026, zwischen 379 und 446 bei französischsprachigen Ziehungen.
Was bringt eine Provinznominierung?
600 zusätzliche CRS-Punkte und damit praktisch die sichere Einladung. Die Schwellen in reinen PNP-Ziehungen liegen deshalb bei 697 bis 805 Punkten. Aus eigener Kraft brauchst du mit Nominierung nur rund 100 bis 200 Punkte. Die Provinzen verlangen eigene Gebühren von 1.500 bis 1.750 CAD.
Was kostet die Einwanderung nach Kanada?
Die Bundesgebühren betragen 1.590 CAD für den Hauptantragsteller inklusive Right of Permanent Residence Fee und 270 CAD je Kind. Mit Sprachtest, Bildungsbewertung, Führungszeugnissen, Gesundheitscheck und Provinzgebühren landet eine Einzelperson realistisch bei 3.000 bis 5.000 Euro.
Hilft Französisch bei der Einwanderung nach Kanada?
Erheblich. Kanada führt eigene Ziehungen für französischsprachige Kandidaten durch, und die Schwellen lagen dort zuletzt zwischen 379 und 446 Punkten, oft über hundert Punkte unter den allgemeinen Ziehungen. Nachgewiesen wird das Niveau über einen TEF- oder TCF-Test.
Wie lange dauert der Weg von der Bewerbung bis zur Einreise?
Rechne mit einem bis zwei Jahren. Sprachtest, Bildungsbewertung und Skills-Nachweise brauchen allein mehrere Monate, danach folgt die Wartezeit im Pool bis zur Einladung und anschließend die Bearbeitung des Antrags. Mit Provinznominierung verkürzt sich die Zeit im Pool deutlich.
Muss ich meinen Hausrat in Kanada anmelden?
Ja, mit einer zweiteiligen Inventarliste: Waren, die dich begleiten, und Waren, die nachkommen. Beide Listen musst du bereits bei der Einreise vorlegen, auch wenn der Container erst später ankommt. Ohne die zweite Liste fallen für die spätere Sendung Einfuhrabgaben an.
So gehst du am besten vor
Rechne zuerst deine CRS-Punktzahl aus und sieh nach, ob dein Beruf in einer der Kategorien vorkommt. Falls ja, ist das der naheliegende Weg. Falls nein, prüf parallel Provinzen, die deinen Beruf suchen, und überleg dir, ob Französisch eine realistische Option ist. Sprachtest und Bildungsbewertung starten als Erstes, weil sie am längsten dauern.
Der Hausrat ist der letzte Schritt und sollte erst gebucht werden, wenn die Aufenthaltsberechtigung steht. Wie Kanada im Vergleich zu den anderen Zielen dasteht, zeigt der Überblick Auswandern: wohin?. Für die Übersiedlung: Schick uns Zielort, Termin und Wohnungsgröße, dann steht der Preis samt Inventarliste im Angebot.